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    Stromkonzession -Alles schon mal dagewesen-

    Die Autoren Dr. Kurt Berlo und Dr. Hartmut Murschall haben in ihren 1994 erstellten Dissertationen u.a. auch die Stromrekommunalisierungsbemühungen der Stadt Dorsten untersucht. *)

    Beschluß zum Abschluß eines neuen Konzessionsvertrags
    Nachdem Mitte März 1993 die SPD- und die FDP-Fraktion eine Vereinbarung zur zukünftigen Energieversorgung getroffen hatten, beschloß der Dorstener Rat mit knapper Mehrheit, bis zum Sommer des Jahres aus „Gründen der Haushaltskonsolidierung” einen neuen Strom-Konzessionsvertrag mit VEW abzuschließen (Ratssitzung am 24.3.1993).

    Die Ratsentscheidung für den Abschluß eines neuen Konzessionsvertrags zu diesem Zeitpunkt erstaunt insofern, da erst im Herbst des Vorjahres das Hartkopf/Rentrop-Gutachten eine Stromnetzübernahme empfohlen hatte. Kurzfristige Betrachtungsweisen (Erhalt einer höheren KA) haben sich auch hier wieder gegen langfristig wirtschaftliche Alternativen durchgesetzt.

    Fraglich ist, ob die in der Ratssitzung beschlossene Ergänzungsvereinbarung zum Konzessionsvertrag die kommunalen Einflußmöglichkeiten stärken wird. In dieser Vereinbarung soll festgelegt werden, daß „auf Wunsch der Stadt Dorsten zu einem von ihr zu bestimmenden Zeitpunkt die Stromversorgung in einer zu gründenden Energieversorgung Dorsten GmbH durchgeführt werden kann, an der die VEW der Stadt Dorsten eine bis zu 25,1 %ige Beteiligung einzuräumen” hat.

    Zusammenfassende Bewertung
    Die Recherche über die Dorstener Energiegeschichte hat nicht nur die Entkommunalisierung in den 60er Jahren aufgezeigt, sondern machte deutlich, daß sich die ursprünglich geplante Stromnetzerweiterung der Dorstener Stadtwerke in das Gegenteil verkehrte. Für das Scheitern der geplanten Stromnetzerweiterung und den Verkauf der Dorstener Stadtwerke an VEW waren vor allem folgende Gründe ausschlaggebend:

    • Entsprechende Netzpreisforderungen sowie die in weiten Teilen kompromißlose Haltung der VEW führten zu einem Verhandlungsmarathon, bei dem die Dorstener Vertreter mürbe wurden und VEW die größere Ausdauer hatte.

    • Gab es im Rat in den ersten Jahren der Auseinandersetzungen noch einstimmig gefaßte Beschlüsse zur Übernahme der VEW-Netze, so schwand diese Mehrheit spätestens im Frühjahr 1964. Nur noch mit knapper Mehrheit votierte der Rat im April 1964 für die Stromnetzerweiterung der Stadtwerke.

    Als ungünstig für die weiteren Verhandlungen mit VEW erwies sich, daß sowohl die Verwaltungsspitze als auch der Bürgermeister für einen Verkauf der Dorstener Stadtwerke an VEW plädierten. Stadtdirektor Quinders und Bürgermeister Schürholz mußten nun gegenüber VEW den Beschluß des Rates (Kauf der VEW-Netze) gegen ihre persönliche Überzeugung vertreten.

    Die Analyse zeigte, daß es Parallelen zwischen der Situation in den 60er Jahren und der heutigen Situation (1993) gibt.

    * Kurt Berlo, Hartmut Murschall, Kommunale Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Energieversorgungswirtschaft, Edition Temmen, Bremen, 1994, ISBN 3-86108-242-X.

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